Nachlese

KlimAgrar: Auftakt in Berlin am 7.–8. Februar 2019

Klimagerechtes Handeln in der Landwirtschaft

Es ist die Aufgabe der Forschung, wissenschaftlich fundierte Beiträge zur Diskussion um eine angemessene Umsetzung der beschlossenen Klimaschutzziele und zur Anpassung an den globalen Klimawandel zu liefern.

Dementsprechend fördert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in einem eigens vom Bundestag beschlossenen Programm zur Innovationsförderung derzeit 32 Forschungs- und Entwicklungsvorhaben mit einem Gesamtvolumen von 28,5 Millionen Euro. Das Ziel ist, die Potentiale für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels und für die Minderung der Emission von Treibhausgasen in der Land- und Forstwirtschaft zu erschließen. Das zur Vernetzung angesetzte Forschungsbegleitvorhaben KlimAgrar agiert dabei nicht nur als Bindeglied zwischen den einzelnen Förderprojekten, sondern auch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.

Aus diesem Grund hatten die Verantwortlichen für KlimAgrar, Professor Hubert Wiggering von der Universität Potsdam und Dr. Wolfgang Zornbach vom BMEL, die Projektnehmer zur Auftaktveranstaltung am 7.–8. Februar 2019 ins Ministerium nach Berlin eingeladen.

Der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft Hans-Joachim Fuchtel MdB betonte in seiner Ansprache: „Es reicht nicht, neues Wissen und Ideen zu entwickeln. Wichtig ist, dass die vielen guten Ideen ihren Niederschlag in konkreten Produkten und Anwendungen finden“.

Der Einführungsvortrag der zu diesem Auftakt eingeladenen freien Hamburger Journalistin Dr. Tanja Busse öffnete den Blick der Teilnehmer für den globalen Schauplatz, auf dem sich der anthropogene Klimawandel abspielt und welche Rolle dabei die öffentlichen Medien spielen – sowohl als Berichterstatter wie auch als Meinungsbildner. Am zweiten Tag setzte Friederike Maier, Redakteurin beim Online-Magazin „Klimareporter“ im Gespräch mit den Moderatoren Zornbach und Wiggering diese Betrachtung fort, indem sie von ihren konkreten Erlebnissen und Erfahrungen von der jüngsten UN-Klimakonferenz, der COP24 in Kattowitz, berichtete. Den Teilnehmern wurde einmal mehr vor Augen geführt, dass die Bemühungen um den Klimaschutz sich nicht nur auf dem Feld und im Labor vollziehen, sondern auch auf der öffentlichen Bühne stattfinden. KlimAgrar wird dies zum Anlass nehmen, sich verstärkt den Austausch zwischen den so unterschiedlich aufgestellten Akteursgruppen zu forcieren und eine „Medienwerkstatt“ dazu einrichten.

In der zweitägigen Veranstaltung stand dann auch der Austausch über die geplanten Vorhaben der gerade erst angelaufenen Projekte im Mittelpunkt. Bereits die Vorstellungsrunde der gut sechzig Teilnehmer war als Podiumsgespräch konzipiert, in dem quer durch Forschungsprojekte themenorientiert diskutiert wurde. Die Veranstalter hatten dafür die ursprüngliche Einteilung in die drei Förderlinien Boden, Pflanzenbau, Tierhaltung geöffnet und in diese Themenschwerpunkte zusammengeführt:

  • Boden
  • Bodenfruchtbarkeit und Pflanzenernährung
  • Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung
  • Pflanzenschutz und Tiergesundheit
  • Tierhaltung, Tierernährung und Tierzucht

Ausgehend von dieser Gruppierung ergaben sich mit Blick auf die angestrebten Innovationen in den Forschungsvorhaben bereits so eine Reihe nicht von Vornherein verfolgter Kooperationsansätze für gemeinsam zu entwickelnde Lösungen. Es ergaben sich dabei konkrete Schnittmengen in folgenden Punkten:

  • neue methodische Ansätze und Vorgehensweisen bei der Erfassung und beim Monitoring der Emission von Treibhausgasen sowie deren koordinierter Bilanzierung als wichtigstem Indikator in Sachen Klimaschutz
  • neue (thematische) Verschneidungen zwischen unterschiedlich ausgerichteten Themenfeldern
  • neue Anreize für die akteursbezogene Kommunikation im Rahmen der fachübergreifenden wissenschaftlichen Publikation gewonnener Erkenntnisse und sich daraus ergebender Pläne zur Umsetzung neuer Lösungsansätze
  • neue Chancen, mit Handlungsempfehlungen den politischen Entscheidungsprozess bei der Verfolgung der gesetzten Klimaziele voranzubringen und bei der Ausrichtung auf eine nachhaltige Entwicklung zu unterstützen.

Als besondere Herausforderung wird sich – so die einhellige Einschätzung – die Übertragung der Forschungsergebnisse aus den Förderprojekten in die landwirtschaftliche Praxis, also zum Landwirt selbst hin, erweisen, der bzw. die eben sowohl Verursacher als auch Betroffene des Klimawandels sind. Zunehmend geforderte Aktivitäten zur Bereitstellung von Wissenstransfer und Entscheidungshilfen für die Landwirte, die sich dem Wandel stellen müssen, gehen über die regulären Forschungsabläufe hinaus. KlimAgrar macht es sich zur Aufgabe, auch hier die Rolle des Begleiters zu erfüllen.

Im Laufe der Auftaktveranstaltung zur Forschungsbegleitung dieses Projektverbundes wuchs die Überzeugung, dass nur im Wege der Interaktion aller Betroffenen und Befassten die Ergebnisse der Forschungsprojekte zu neuen Lösungsansätzen gebündelt werden können. Nur in einem fach- und themenübergreifenden Dialog und unter Einbeziehung aller Akteure wird die vom BMEL und vom Projektträger BLE angestrebte Forcierung des geforderten Beitrags zum Klimaschutz aus der Landwirtschaft gelingen. Während in den anderen Sektoren die CO2-Emissionen im Fokus stehen, sind dies hier Methan (CH4) und Distickstoffmonoxid (N2O) als Treibhausgase, die einen erheblichen Anteil an der globalen Erwärmung mit sich bringen. In ausgewogener Abschätzung zwischen Ernährungssicherung, Ressourceneffizienz und Minderung der Emissionen muss ein wirksamer, sichtbarer Beitrag zum Klimaschutz aus der Landwirtschaft für eine nachhaltige Entwicklung gelingen.