Ackerbaustrategien haben Hochkonjunktur

Bei allen Diskussionen zur Erreichung der Klimaziele nach dem Übereinkommen von Paris von 2015, des Klimaschutzplans 2050 von 2016 sowie des Klimaschutzprogramms 2030 der Bundesregierung von 2019 oder des neuen 10-Punkte-Plans des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) wird immer wieder auf die Ackerbaustrategie verwiesen, die im aktuellen Koalitionsvertrag der Bundesregierungsparteien im Februar 2018 avisiert wurde (PDF, Seite 85). Seitens des BMEL wurde sie dann ein Jahr später für den Herbst 2019 angekündigt und steht wohl auch kurz vor der Fertigstellung.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) hat bereits im Mai 2018 seinerseits die „Ackerbaustrategie der deutschen Landwirtschaft“ veröffentlicht. Auch das Land Niedersachsen hat sich auf den Weg gemacht, eine eigene Ackerbaustrategie in einem andauernden, partizipativen Prozess zu erstellen.

Nun hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) ein Papier mit dem Titel „Nachhaltigkeit im Ackerbau – Eckpunkte für eine Ackerbaustrategie“ vorgelegt. Damit wird unwillkürlich aus der Umweltdiskussion heraus eine besondere Erwartungshaltung an die noch ausstehende Strategie des BMEL aufgebaut, die letztlich als die der Bundesregierung angedacht ist. Von den seitens des BMU beauftragten Autoren werden jedoch bereits mit dem nun vorliegenden Eckpunktepapier regelrechte Pflöcke eingeschlagen. Es wird deutlich hervorgehoben, dass Ackerbau wieder als ganzheitliches System verstanden werden müsse, bei dem alle betroffenen Bereiche miteinander zusammenwirken. Die vorgeschlagenen Maßnahmen sollen ineinandergreifen, sollen Synergien stärker nutzen und so ein integriertes Ackerbausystem schaffen, das der Abhängigkeit von Landwirtschaft, Umwelt und Biodiversität Rechnung trägt. Es gilt, aus der konventionellen Herangehensweise auszubrechen; die LandwirtInnen müssen die Möglichkeit haben, wieder stärker standortangepasst zu wirtschaften, um damit u. a. auch bewusst Ziele des Klimaschutzes berücksichtigen zu können.

Dabei wird insbesondere gefordert, dass die Politik klare Rahmenbedingungen für eine Transformation hin zu einer gesellschaftlich gewollten, akzeptierten Landwirtschaft setzt, die darüber hinaus auch sozial- und naturverträglich ist.

3 Antworten auf „Ackerbaustrategien haben Hochkonjunktur“

  1. Hoffen wir, dass die aktuellen Ereignisse auch das Thema Resilienz mit befördern,
    also Resilienz im technischen, aber auch standörtlichen Sinne.
    Und wenn das gelungen ist, den Aufbau regionalisierter Wertschöpfungsketten.
    Das würde dann auch deutliche Effekte auf die Klimabilanzen bewirken.
    In diesem Sinne,
    bleibt gesund,
    Matthias Trapp (SoFI, EF Südwest)

  2. Zum Thema Klima in der Ackerbaustrategie 2035: Das Thema Klima zieht sich quasi wie ein roter Faden durch die gesamte Ackerbaustrategie, mal implizit, mal explizit. Einleitend wie auch in der Darlegung der Leitlinien wird das Thema besonders hervorgehoben, aber auch, dass dennoch die Versorgungssicherheit unter veränderten Klimabedingungen gegeben sein muss, was eben einen klimaangepassten Ackerbau erforderlich macht. Ganz prominent wird herausgestellt, dass dem Klimaschutz ein höherer Stellenwert als bisher eingeräumt werden muss und auch im Ackerbau zukünftig die Emissionen von Treibhausgasen verringert werden müssen. Und unmittelbar wird darauf abgehoben, dass „der Ackerbau durch die Speicherung von Kohlenstoff durch einen Humusaufbau klimaschädliche Gase binden“ kann.

    Im `übergeordneten Handlungsfeld 9´ werden dann explizit – wie in den anderen Handlungsfeldern auch – Ausgangslage, Problemstellung, Zielkonflikte, Ziele, Indikatoren, Maßnahmen und Wirtschaftlichkeitsbewertung aufgezeigt. Bei den Zielen und Maßnahmen wird erneut aufgegriffen, dass landwirtschaftliche Betriebe bei Maßnahmen zur Kohlenstoffspeicherung im Boden unterstützt werden sollen, um den Humusgehalt in organischen und mineralischen Böden zu erhalten und, wo sinnvoll und möglich, weiter aufzubauen. Zudem wird besonders auf eine „höhere Effizienz bei der Stickstoffausbringung zur Reduktion der N-Emissionen“ abgehoben.
    Mit Blick auf die Forschungsverbünde im KlimAgrar-Kontext ist noch zu bemerken, dass im Rahmen der Maßnahmen besonders auf die exakte Messung von THG-Emissionen im Ackerbau verwiesen wird und letztlich die Erarbeitung von Bewirtschaftungskonzepten für organische und mineralische Böden im Hinblick auf den Klimaschutz Vorrang eingeräumt wird.

    Es wird nicht verschwiegen, dass „vermehrter Klimaschutz im Ackerbau für die landwirtschaftlichen Betriebe mit teilweise hohen Kosten verbunden sein kann“. Dazu wird eine Unterstützung insbesondere bei Investitionen in entsprechende Technik avisiert. Aus dem KlimAgrar-Kontext heraus sollten wir dazu entsprechend in die Waagschale werfen, dass wir neben den technischen Lösungen in vielen Projektverbünden gleichermaßen strategische wie konzeptionelle Lösungsansätze erarbeiten.

  3. Frau Bundesminister Klöckner hat gestern nun ein Diskussionspapier für eine „Ackerbaustrategie 2035“ mit Perspektiven für einen produktiven und vielfältigen Pflanzenbau vorgelegt. Die Strategie soll ein Impulsgeber, kein Handbuch sein. Sie will einen Rahmen setzen für die nachhaltige Entwicklung der Landwirtschaft und Anbauempfehlungen geben, sie will aufzeigen, wo Agrarpolitik und Agrarförderung künftig ansetzen wollen, die notwendigen wissenschaftlichen Grundlagen dafür schaffen und den Landwirten, wörtlich den „Bauernfamilien“, zukunftssichere Perspektiven weisen.

    Dazu hat sie sechs Leitlinien formuliert – (1) Ernährungssicherung und Versorgung mit Futtermitteln und Rohstoffen, (2) Einkommenssicherung für die Bauern, (3) Umwelt- und Ressourcenschutz, (4) Biodiversität in der Agararlandschaft, (5) Beitrag zum Klimaschutz aus dem Ackerbau und dessen Anpassung an den Klimawandel, (6) Gesellschaftliche Akzeptanz des konventionellen Ackerbaus – und zeigt zwölf Handlungsfelder auf, die sich ganz logisch aus dem Leitbild ergeben und für die wir hier das Schaubild wiedergeben, das die Ministerin benutzt:

    Die 12 Handlungsfelder der Ackerbaustrategie 2035 (BMEL)

    Nachdem also das BMU vorgeprescht war, ist jetzt auch die Diskussion im BMEL eröffnet – und wenn sie wollen, auch hier bei uns…

Schreibe einen Kommentar